Zeit für Bartók

-the timeless-piano-project-

Nach dem Op. 353018, der im NDR Konzerthaus in Hannover sein piano duo Debut mit Orchester erlebte, spielte der Op. 615313 sein erstes Klavierkonzert überhaupt im Rahmen des Klavier Festival Ruhr in der Philharmonie Essen.

Pierre-Laurent Aimard am Op. 615313 mit dem WDR Sinfonieorchester unter Leitung von Hannu Lintu in der Philharmonie Essen

Béla Bartóks 2. Klavierkonzert gilt als eines der technisch anspruchsvollsten Werke der gesamten Klavierliteratur. Explosive, rhythmisch-perkussive Anschlagtechniken stehen ebenso im Fokus wie irrwitzig schnelle Tonkaskaden und scharfe, kontrapunktische Kontraste. Und das alles bei größtmöglicher klanglicher Transparenz.

Größtes Klangvolumen und überragende spieltechnische Eigenschaften: piano duo Op. 615313

Idealer Begleiter bei diesem knapp halbstündigen Parforceritt durch Musikgeschichte, Spielfreude und Klangkultur des 2. Klavierkonzerts war diesmal der piano duo Op. 615313. Bereits beim Bau des Instruments wurde von mir größter Wert auf Klangvolumen (nicht Härte!) und überragende spieltechnische Eigenschaften gelegt. Hierzu gehören eine in neuen Flügeln längst nicht mehr vorhandene Leichtigkeit des Anschlags sowie eine Repetiergeschwindigkeit, wie sie in dieser Form in modernen Konzertflügeln heute sicherlich nicht mehr zu finden ist, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber durchaus zum Standard der großen Klaviermarken gehörte.

Zeit, um wahnwitzig-repetierende Anschläge zu fließenden Linien zu verbinden und Kontrapunkte kristallklar durchhörbar zu machen: Pierre-Laurent Aimard am Op.615313

Nicht ohne Grund also hat sich Pierre-Laurent Aimard für dieses Konzert den piano duo Op. 615313 gewünscht. Der Ausnahme-Pianist ist seit Jahrzehnten als permanenter Forscher und Schöpfer faszinierender alter und neuer Klangwelten berühmt.

Umso überwältigender gerät seine Interpretation dieses nahezu unspielbaren Klavierkonzertes, wenn der Pianist trotz aller kompositorischen Ekstase noch Zeit findet, wahnwitzig-repetierende Anschläge zu fließenden Linien zu verbinden und Kontrapunkte kristallklar durchhörbar zu machen. Und das alles nicht, ohne gleichzeitig die ungarische Abstammung des Komponisten mit einem fließenden, harmonischen Klangbild respektvoll zu würdigen.

Und nicht zuletzt dadurch wird Pierre-Laurent Aimard dem Motto des programmatischen Schwerpunkts beim Klavier Festival Ruhr auf seine ganz eigene Weise gerecht: Zeit für Bartók.

Zeit für Bartók: Pierre-Laurent Aimard, Hannu Lintu und das WDR Sinfonieorchester